Tag 10: Haarlem

Aufbruch um 8.30 bei leichtem Nieselregen. Morgens wimmelt es von Rennradfahrern, die bestimmt dreimal so schnell sind wie ich. Ich frühstücke in den Dünen. Später kommt mir ein junger Reiseradler mit hohem Tempo entgegen und hebt die Hand auffordend zum High Five. „Yeah!“ freut er sich, als er mich mit einem satten Shack fast vom Rad holt.

Bei einer Pause unterhalte ich mich kurz mit einem niederländischen Ehepaar. Der Radverkehr auf den teils engen Dünenwegen ist enorm. „Pass op, brejdes Fiets!“ rufe ich, wenn’s knapp zu werden droht.

In Haarlem drehe ich mein Käppi um, sollte dem Stadtnamen nach hier ja wohl angemessen sein. Haarlem ist kein Highlight, letzten Endes eine recht beliebige Großstadt.

Irgendwann endet der Radweg vor einem Fluss, wo bereits ca. 40 Rad- und ein paar Mopedfahrer auf eine Fähre warten. Ich bin erstaunt, weil ich eine Brücke erwartet habe. Haarlem und Amsterdam habe ich spontan mit eingeplant, daher fahre ich ohne Navigation nur nach Karte. Ich frage einen Radfahrer aus dem Haufen, wo man ein Ticket für die Fähre bekommt. Braucht man nicht, nur Auto- und Mopedfahrer müssen zahlen. Fiets sind frei, Holland eben. Während der Überfahrt rede ich mit besagtem niederländischen Pedelec-Fahrer (das Pedelec hätte ich dem Rad nicht angesehen). Er gibt mir Tipps für Haarlem, aber sie nützen mir kaum.

Die Suche nach einem Campingplatz zieht sich, nach einer knappen Stunde finde ich einen für 8.85€ und buche zwei Nächte. Wlan soll 4€ am Tag kosten, schließlich bekomme ich es aber kostenlos. Nachts zwingt mich der Regen, aufzustehen und das Zelt nachzuspannen.

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Tag 9: Petten

Wieder Abfahrt um 8. Trotz 8mm angesagten Regens scheint den ganzen Tag die Sonne, Petrus leistet wohl Wiedergutmachung für gestern. Ich ignoriere leichte Schmerzen an den Sitzflächen. Zunächst geht’s etwa 30 km lang über die Landbrücke zwischen Waddenzee und Ijsselmeer. Anfangs spannend, letzten Endes aber ohne rechte Abwechslung.

Danach wieder Felder. Im Westerland winke ich zwei Damen Mitte Fünfzig zu. Sie rufen mir auf  Deutsch zu „ist die letzte für lange Zeit“ und meinen die Bank, auf der sie hocken. Sie fahren die LF10 in Gegenrichtung und übernachten in Hotels, wobei wohl viele ausgebucht sind und sie gestern erst fast 90€ pro Kopf zahlen sollten. Warum ich keine Straßenkarte am Rad habe? Ich fahre per Handy. Ob ich ein Reisetagebuch führe? Quasi schon, ich blogge. Gelupfte Augenbrauen. Ich bin froh, dass der Speaker grad keine Musik macht und auch das Solarmodul nicht montiert ist.

Ich erreiche wieder das Meer und so langsam wird es dank Sandstränden touristisch. Überall sind Deutsche, alle 5km ein Campingplatz. Einige Zeit später geht’s in hohem Tempo kreuz und quer durch die Dünen. Die beiden Damen hatten mir von diesem Streckenabschnitt erzählt. Es ist toll, man fühlt sich hier wie in Spanien.

Nach 79 km überrede einen großen, eigentlich ausgebuchten Campingplatz am Meer, mir mit meinem kleinen Zelt Logis zu gewähren. Sie überlegen fünf Minuten, dann finden sie noch eine Stelle. 17.50 ohne Wlan. Diesen Blogeintrag schreibe ich gerade vom Strand aus, während ein Drachenprofi vor mir die verrücktesten Kunststücke vollführt und dabei einen beeindruckenden Skill an den Tag legt.
Als er aufhört, pfeife ich und mache Daumen hoch. „Good?“ ruft er. „Yeah, cool!“

Tag 8: Makkum

Trotz angesagten Regens schwinge ich mich Punkt acht aufs Rad. Fühle mich nicht sonderlich gut heute und fahre sehr langsam. Um halb zehn steige ich auf Regensachen um.

Die Suche nach einer Bäckerei endet erfolglos, also Kocher raus, Kaffee machen, selbst isst der Mann. Warum überall Cafés an der LF10 stehen, die angeblich Frühstück bieten, aber um zehn noch geschlossen haben, ist mir ein Rätsel. Was meinen die hier, wann wir Radnomaden so Hunger bekommen? Bei Scisys hätte man sich bzgl. Frühstück jetzt schon ranhalten müssen.

Der Regen wird stärker und als die Softshell gegen 13 Uhr so langsam den Kampf gegen das Wetter aufgibt und durchzunässen beginnt, stelle ich fest, dass der nächste Campingplatz noch stolze 17km entfernt ist. Das Wort „Hotel“ klingt plötzlich sehr lieblich. Aber ich beschließe, besser jetzt schon mal ein paar Erfahrungen im Zeltaufbau bei Regen zu sammeln und halte durch.

In Harlingen dann jede Menge geöffnete Cafés, alle brechenvoll und überall sind Schilder, wogegen man sein Rad nicht lehnen darf. Ich finde keins. Irgendwann lächelt mich ein hagerer Türke an der Ecke seiner kleinen Pommesbude an. Ich darf mein Rad gegen seinen Laden lehnen und esse etwas. Der Regen pausiert. Wir unterhalten uns eine Viertelstunde lang auf Englisch, er
lobt meine bisherige Fahrleistung von fast 500km. Mit meiner Weiterfahrt setzt der Regen wieder ein. Eine halbe Stunde nachdem ich mein Zelt dann aufgebaut habe, hört es auf und die Sonne kommt zum Vorschein. #irony

Abends fahre ich nach Makkum Pommes essen. Der Platz ist ok (9.50€), aber keine Offenbarung. Wie immer beende ich den Tag mit Sunset-Watching.

Da WordPress beim Fotoupload übringens dauernd rumzickt (siehe letzter Post), denke ich darüber nach, nur noch Text zu posten und die Bilder auf Instagram zu veröffentlichen.