Tag 5: Termunterzijl

Wahnsinnstag! 5.40 raus, 7.30 Abfahrt. Während der Fahrt lerne ich einen dunkelbraun gebrannten Typen mit Vollbart und Zottelmähne kennen, der aussah, als hätte er sein halbes Leben auf dem Rad verbracht.

Frühstück:

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Je nördlicher ich innerhalb Deutschlands vorankomme, umso schweigsamer werden die Leute. In Lathen haben die Einwohner selbige nur noch bedingt auf dem Zaun: die Kassierin eines kleinen Ladens bedient den vor mir stehenden Kunden und geht dann zu irgendeinem Regal. Meine Nachfrage nach 5 Minuten wird ignoriert, nach 10 Minuten protestiere ich. Dann geht’s schnell, allerdings wortkarg.

Als sich dann irgendwann der Zustand der Radwege verbessert und plötzlich
allenorts gehupt, gewunken und gegrüßt wird, ist klar: ich bin in Holland. Wie nett doch der Niederländer an sich ist, sollte ich in den folgenden Tagen noch merken. Auf einen Schlag einfach nur liebe und freundliche Menschen überall.

Als ich auf den Nordseeküsten-Radweg einschwenken will, mache ich zur Begrüßung erstmal Bekanntschaft mit einem Schwenk-Schafsgatter:

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Diese netten Dinger kosten einen fünf Minuten, weil man sie nämlich nicht passieren kann, ohne die Backroller abzumontieren. Voller Hoffnung erklimme ich anschließend den Deich:

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Doch dahinter ist nur viel Land und hunderte Schafe. Ich versuche, hinterm Deich zu fahren, nach 1 Kilometer Vollsperrung: Zaun und verschlossenes Gatter.

Etwas desillusioniert mache ich mich vor dem Deich an 20 weitere endlose Kilometer in sengender Sonne auf dem NSK-Radweg. Keine Chance auf Schatten weit und breit, Gegenwind, nach 80km recht entkräftet und nur noch ein Liter Wasser übrig – läuft. Mit normalen Boden-Schafsgattern hat man es auf dem NSK alle ca. 800 Meter zu tun, dann heißt es absteigen und schieben. Nach 10 Kilometern wage ich mich erneut auf den Deich und kann es kaum fassen – Wasser. Ganz, ganz viel Wasser.

Es schleppt sich noch eine Weile, dann verlasse ich den NSK und bin nach 3 Kilometern endlich auf dem (sehr guten) Campingplatz in Termunterzijl angekommen.

Reiseradler fühlen sich untereinander verbunden. Schon beim Duschen lerne ich einen supernetten, ca. 50-jährigen Schweizer kennen. Eine knappe Stunde rede ich mit ihm und seiner Frau. Sie fahren täglich 100km, legen mir eine Radroute in Holland nahe und meinen, ich sollte mir mit meinem MTB mal die Juraradwege in der Schweiz ansehen.

Abends beim Essen weist mich eine Frau auf niederländisch auf meinen leichten Sonnenbrand am Rücken hin. Ich sage meinen Satz: Ik spreek geen Nederlands. Wir unterhalten uns auf Englisch. Zur Erheiterung diverser anderer Restaurantbesucher stellen wir nach 5 Minuten fest: wir sind beide Deutsche. Vermutlich wussten das die anderen Gäste längst. Sie ist ziemlich humorvoll, wir verstehen uns auf Anhieb. Später kommt noch ihr Mann hinzu, beide sind Reiseradler und wir reden lange über die Vorzüge aller möglicher Reiseartikel. An Kontakten mangelte es heute definitiv schonmal nicht.

Der Tag war toll, es hat wahnsinnig Spaß gemacht und ich bin stolz auf die Tagesleistung. Abends schaue ich mir noch den Sonnenuntergang über der Emsmündung an. Ich freue mich sehr darauf, wie es weitergeht und bin aktuell einfach nur zufrieden mit der Welt.

Sieht man auf den Fernradwegen öfter mal:

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Was man im Auto wohl übersieht:

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9 Gedanken zu “Tag 5: Termunterzijl

  1. ” Ich freue mich sehr darauf, wie es weitergeht und bin aktuell einfach nur zufrieden mit der Welt.”
    Das freut mich soo sehr, diesen Satz zu lesen!
    Saucool bislang, macht richtig Spass dir virtuell zu folgen!

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  2. schön, dass es dir gut geht und auch die Reise richtig geniessen kannst. Das Wetter spielt ja auch richtig mit! 30 Grad, endlich Sommer in Deutschland 🙂 🙂
    So einen Radschläuchen-Automaten haben wir auf dem Ruhr-Weg nach Essen vermisst 😉

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  3. Klingt wirklich gut. Drücke weiter die Daumen, dass alles glatt läuft und Du den Automaten nicht brauchen wirst 😉
    Und wenig Schwenk-Schafsgattern begegnest.

    Macht Spaß, Dir zu folgen, ich erweiter auch jedes Mal meine Google-Maps Abfrage um die neuen Orte, damit man den Weg mal grafisch mitverfolgen kann…
    https://goo.gl/maps/qr5yY

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