Tag 13: Ouddorp

Die Rezeption öffnet um neun. Ich hole mein vollgeladenes Juicepack ab, bedanke mich und dann nichts wie raus aus Den Haag. Nach nur drei Kilometern bin ich zurück in den Dünen und fühle mich sofort wohl. Ein paar Stunden fahre ich durchs Ödland, höre Musik dabei und genieße die Fahrt. Viele Radfahrer winken und grüßen. Der Himmel ist bedeckt, immerhin ist’s trocken.

Um 13:30 stehe ich vor einem Kanal. Leider gibt es keine Hinweisschilder. Ich frage zwei junge Radler. Einer von ihnen, ein englischer Reiseradler, zieht kurz darauf von dannen. Der andere, ein niederländischer Rennradfahrer aus Den Haag, weiß Rat. Er besucht seine Großeltern und will ebenfalls übers Wasser. Er hat in England Biologie studiert und wird demnächst am Max-Plank-Institut in Köln anfangen. Wir essen etwas und reden über alles mögliche, während wir auf die Fähre warten und verstehen uns super.

Er zeigt mir den besten Platz auf der Fähre, um die Seerobben zu fotografieren, die sich mitten im Hafen auf einem für Menschen unzugänglichen Strandabschnitt sonnen. Mit weißen, braunen und schwarzen Exemplaren liegen drei Generationen direkt nebeneinander – absoluter Wahnsinn!

Der Rest der Fahrt zieht sich ein wenig ob aufkommenden Gegenwinds. Entschädigt werde ich durch einen tollen Campingplatz für 10.60€ in Strandnähe. Der Sonnenuntergang ist wunderschön und ich danke Gott, dass ich dieses verdammt aufregende Abenteuer hier erleben darf, das jetzt schon eine der tollsten Erfahrungen meines Lebens ist.

Tag 12: Den Haag

Da es morgens erneut regnet, fahre ich erst um 10.30 los. Die Rückfahrt in Haarlem vom Campingplatz zur Noordzeeroute plane ich dank Wlan mit meiner App. Ich fahre daher wieder vermehrt Bikerouten und schon wirkt Haarlem deutlich schöner als bei der Hinfahrt.

Zurück auf der eigentlichen Route vor dem Haarlem/Amsterdam-Ausflug geht es wieder durch die Dünen. Wer gerne Rad fährt, dem sei diese Strecke wirklich ans Herz gelegt, sie bietet alles, was das Bikerherz begehrt. Es ähnelt einer Achterbahnfahrt auf sehr guten Radwegen mitten durch unberührte, karge Steppe. Die Infrastruktur ist gut, es gibt Cafés und Campingplätze satt. Leider ist es auch relativ voll.

In Zaandfort gerät mein Merinoshirt in die Vorderradbremse, das ich zum Trocknen auf dem linken Frontroller befestigt habe. Ich bekomme es nicht los und muss mitten auf einem touristisch gut besuchten Aussichtspunkt mein Werkzeug rauskramen und die Bremse losschrauben. Ich kriege das Shirt raus, welches anschließend nur noch als Putzlappen taugt. Zaandfort ist ähnlich wie Noordwijk, durch das ich etwa eine Stunde später radele, eine Touristenfalle, die im Wesentlichen von ihrem tollen Strand lebt.

In Den Haag löchere ich die sehr hilfsbereite Rezeption meines großen und mit 9.85€ bezahlbaren Campingplatzes nach Outdoorstores, um Ersatz für mein Shirt zu besorgen. Mir wird „Perry Store“ und eine grobe Richtung genannt. Ich dusche und mache mich auf den Weg in die Innenstadt. Ich finde den Store gegen 18.30, zum Glück haben sie noch offen (viermal hatte ich mich noch nach dem Weg erkundigt und zweimal zu hören bekommen, er hätte nur bis sechs geöffnet). Merino haben sie nicht, ich kaufe ein Shirt von Craft.

Den Haag fand ich mäßig interessant. Sehr viel gesehen habe ich nicht, die rücksichtslosen Verkehrsteilnehmer jeder Art machen mich nervös, diese Riesenstädte sind irgendwie nichts fürs Fahrrad. Mindestens dreimal hätte ich heute alleine beinah einen dieser radfahrenden Smartphonezombies umgemäht, die genau gar nichts davon mitbekommen, was so um sie herum vor sich geht. Großstädte habe ich fürs erste satt und streiche Rotterdam.

Tag 11: Amsterdam

Massiver Regen stört meine Pläne, früh nach Amsterdam zu radeln: bis zwei hocke ich im Zelt, welches den Wassermassen so gerade standhält. Dann ebbt der Regen ab, aber vor dem Zelt ist eine große Pfütze.

Halb drei mache ich mich mit Minimalgepäck (Lenkertasche plus ein Frontroller mit Regensachen und Wasser) auf den Weg. Bis kurz vor Amsterdam fährt es sich idyllisch durch die Natur. Mittlerweile scheint auch die Sonne wieder. In Amsterdam durchfahre ich zunächst den Stadtpark, der durch die morgendliche Sintflut teilweise unter Wasser steht.

Dann wird es voll und rücksichtslose Mopedfahrer, die in den Niederlanden Radwege nutzen dürfen, zwingen einen zu höchster Aufmerksamkeit. Woanders passen die auf, hier nicht. Einmal muss ich eine Vollbremsung machen.

In der Innenstadt verströmen die unzähligen Coffeeshops süßlichen Geruch, der sich mit dem Duft von Backwaren und allerlei Frittiertem mischt. Die Grachten prägen das Stadtbild weniger, als ich erwartet hätte. Man fährt zwar ständig über eine, aber sie fallen jetzt auch nicht so sehr auf. Eher ins Auge springen die vielen gigantischen historischen Gebäude, Amsterdam wirkt wuchtig auf mich.

Ich schaue mir die Oude Kerk, den Königspalast und das Anne-Frank-Haus an (alle drei sehr sehenswert) und trinke einen Cappuccino. Nach etwa drei Stunden habe ich genug von dem chaotischen Trubel. Ich spare mir Nachtleben und Rotlichtviertel und fahre zurück nach Haarlem.